Spielbericht

Wie gewonnen, so zerronnen – 0:1 in Kaltenbrunn

Sonntag, 31. Oktober 2021

Noch am Vorsonntag durften sich die Fans über ein knappes 1:0, verbunden mit drei Punkten, im Derby gegen Sorghof freuen. Diesen Sonntag hingegen folgte das Kontrastprogramm: Das Auswärtsderby beim FC Kaltenbrunn ging mit 0:1 denkbar knapp verloren und Seugast musste mit leeren Händen nach Hause fahren. Dabei muss man sich in Seugast mit der Frage nach dem Warum der Niederlage nicht lange aufhalten. Vier personelle Ausfälle gegenüber der Stammbesetzung vom Vorsonntag haben sich schlicht und ergreifend als ein zu großes Handikap erwiesen, als dass man sich in Kaltenbrunn etwas hätte ausrechnen dürfen. Vyleta, Stolle, Mabi und Schotte konnten einfach nicht ohne weiteres ersetzt werden, zumal der Kader infolge der vielen Langzeitverletzten in den Reihen der DJK ohnehin schon auf Kante genäht ist. Über die Frage nach dem Wie der Niederlage in Kaltenbrunn besteht hingegen schon ein gesteigerter Informationsbedarf, wobei sich drei Platzverweise und eine gelbe Karte, die Schiri Andreas Kink binnen zwei Minuten (88. bis 90. Spielminute!) gegenüber der DJK ausgesprochen hat, eben nicht so leicht erklären lassen.

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Seugast agierte notgedrungen von Spielbeginn an äußerst defensiv und war auf die Sicherung des eigenen Gehäuses bedacht. Daher spielte Jiri Roztocil die zentrale Spitze im Team der DJK, wobei er die für ihn völlig ungewohnte Rolle gut ausfüllte. Eine richtige Torgefahr konnte er jedoch nicht heraufbeschwören, hierfür blieb Roztocil einfach zu sehr auf sich allein gestellt. Dennoch beschäftigte er die Abwehr des FC unentwegt, was aber auch Teil des Matchplans von Spielertrainer Aki Abedl-Haq war. Es dauerte dennoch bis zur Mitte der ersten Halbzeit, ehe Kaltenbrunn realisierte, dass die Möglichkeiten der DJK an diesem Spieltag begrenzt waren. Von da an übernahm die Heimelf aber zunehmend das Kommando und drückte Seugast in die Defensive. Dennoch blieben Torchancen hüben wie drüben Mangelware. Und da es auch D-van Francis nicht vermochte, die hochkarätigste Chance des FC zur Führung der Heimelf zu verwerten – sein Nachschuss aus spitzem Winkel klatschte nur an den Außenpfosten –, wechselte man beim Stande von 0:0 die Seiten.

Danach bot sich den Zuschauern in Durchgang zwei lange Zeit das gleiche Bild: Kaltenbrunn war feldüberlegen, schaffte es jedoch nicht, Kapital in Form nennenswerter Chancen aus seiner Dominanz zu schlagen. Seugast verschob geschickt und zwang den FC immer wieder, sein Spiel in die Breite zu verlagern. Es musste daher schon ein Sonntagsschuss sein, wie er Elhadj Kalaba in der 70. Spielminute gelungen ist, um den Abwehrriegel der DJK zu knacken. Dabei stoppte Kalaba eine Flanke von rechts mit der Brust und zog mit einem Dropkick – unhaltbar für Keeper Patrick Pushard – gekonnt zum alles entscheidenden 1:0 ab.

Seugast löste daraufhin seine defensive Grundordnung auf und Abdel-Haq unterstütze Roztocil fortan im Sturmspiel. Kaltenbrunn bekam somit folgerichtig mehr Raum, konnte damit allerdings auch nichts Entscheidendes mehr anfangen, zumal Patrick Pushard, durch die Parade eines sehenswerten Fernschusses, und Tobi Oheim, mit Klärung auf der Linie, die beiden letzten nennenswerten Chancen der Heimelf entschärften. In der 88. Minute bekam Kaltenbrunn seinerseits aber nochmals große Schwierigkeiten, als die Mannschaft eine Abwehrsituation auf rechts nicht geklärt bekam. Aki Abdel-Haq gelangte daher im Strafraum des Gastgebers in eine aussichtsreiche Abschlussposition und konnte nur mehr durch ein Foul gestoppt werden.

Was folgte, war der denkwürdige Auftritt von Schiri Andreas Kink vom SV Störnstein: Zunächst versagte er zum Entsetzen der Seugaster den fälligen Elfmeterpfiff, „nur“ um unmittelbar darauf mit Aladin Kovasevic (gelb-rot), Murat Kyarov (rot) und Tobias Schmidt (gelb-rot) drei Gästespieler vom Platz zu räumen, wobei Sami Bajrami scheinbar noch Glück hatte, dass ihn Kink bei seiner Kartenorgie lediglich mit gelb bedacht hat. Gut möglich, dass Kink jede seiner Entscheidungen regeltechnisch gut begründen kann. Außen vor bleibt allerdings bei einer solchen Betrachtungsweise der kausale Zusammenhang. Ursächlich für die überschäumenden Emotionen seitens der Seugaster Akteure war nun mal der ausgebliebene Pfiff des Schiris nach klarem Foulspiel an Abdel-Haq in der 88. Spielminute im Strafraum der Heimmannschaft. Und dafür gab es regeltechnisch halt keine „gute“ Begründung. Allenfalls mangelnder Mut kann daher die Inaktivität von Kink in dieser Situation erklären. Allerdings ist Mutlosigkeit keine Entscheidungskategorie im Regelwerk des BFV – so viel weiß man auch in Seugast. Deshalb konnte Schiri Kink den (eigentlich fälligen) Pfiff selbstverständlich auch unterlassen. Und vielleicht hat er die Situation ja tatsächlich völlig anders gesehen. Bloß, wundern muss der Unparteiische sich dann eben auch nicht, wenn die Situation anschließend eskaliert, zumal er mit jeder seiner Folgeentscheidungen nur weiteres Öl ins Feuer gegossen und somit die Fußballerseelen der Seugaster Kicker völlig zum Kochen gebracht hat.

Der Vorsprung der DJK auf seine Verfolger aus Windischeschenbach und Reuth ist somit auf zwei Punkte zusammengeschmolzen. Trotzdem hat es Seugast noch in der eigenen Hand, seine Spitzenposition bis zur Winterpause zu verteidigen, weshalb man dem Punktverlust in Kaltenbrunn jetzt auch nicht mehr lange hinterhertrauern sollte. Stattdessen gilt es sich noch einmal auf das schwierige Heimspiel gegen Grafenwöhr II zu konzentrieren. Wenngleich viel dafür spricht, dass es im letzten Heimspiel vor der Winterpause personell wieder etwas mehr Auswahlmöglichkeiten für Spielertrainer Abdel-Haq geben wird, so ist dennoch Respekt vor der Reserve des Bezirksligisten geboten. Zu dem gehört allerdings auch, dass sich die Mannschaft in einem engen Spiel, was es gegen Grafenwöhr durchaus wieder werden kann (siehe Hinspiel 1:0), nicht erneut selbst dezimiert. Insofern darf sich der eine oder andere Spieler in den Reihen der DJK aber auch ruhig mal selbst hinterfragen.

Reinhold Koppmann

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